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Frank Behrendt und das Interview mit einem ganz sympatischen Menschen

„In der Literaturgeschichte gibt es Selbst-Interviews häufiger, sagt mein Freund Manfred aus Hamburg. Ein historisches Beispiel ist etwa Tennessee Williams. Nicht in die Literaturgeschichte ging dagegen das schöne Interview von Ex-„Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann ein, als er sich selbst interviewte – was im Netz leider nicht mehr – oder jedenfalls nicht mehr so leicht – auffindbar ist.

Wer also kommt noch infrage für solch ein Selbstinterview? Richtig, Frank Behrendt, stolzer Hundebesitzer, Guru der Gelassenheit und Autor des Buchs „Liebe dein Leben und NICHT deinen Job“, das die Bestsellerlisten gestürmt hat und das die Menschen Schlange stehen lässt bei seinen Lesungen.

Begonnen hatte für ihn alles im September vergangenen Jahres mit seinen zehn Thesen, wie man lockerer durchs Berufs-Leben kommt. Die hatte er zuerst in Thomas Kochs Insider-Magazin „Clap“ veröffentlicht, dann hier im Management-Blog, ein paar Tage später erschienen sie in „Spiegel online“ und dann gefühlt überall bis hin zu einem mehrseitigen, unterhaltsamen Portrait im „stern“. Inzwischen hat Franky  Behrendt auch eine Kolumne bei „stern.de“.

Hier kommt also sein ganz persönliches Interview: Herr Behrendt interviewt Franky über seine schönsten Momente auf der Buchmesse, die ihn so glücklich gemacht hat. Und er verrät, dass es in seinem nächsten Buch um ein ebenso berührendes Thema gehen wird – um schlechte Chefs.

Herr Behrendt: Du warst zum ersten Mal auf als Autor auf der Frankfurter Buchmesse. Wie war’s?

Franky: Es war phantastisch. Inspirierend, bewegend. Von mir aus hätte die Messe noch wochenlang weitergehen können. Ich war jeden Tag da und immer traurig, wenn am Abend der Gong kam.

Herr Behrendt: Gab es einen ganz besonderen Glücksmoment?

Franky: Ja, am Sonntag, dem Publikumstag. Als ich morgens um Sieben zu Hause in die Küche kam  – ich bin immer abends von Frankfurt nach Köln zurückgefahren, um am nächsten Morgen mit der Familie zu frühstücken, bevor es wieder auf die Messe ging – saß meiner sechsjährigen Tochter Holly mit gepacktem Rucksack angezogen da und erklärte mir, dass sie mitkommt. Diskussion zwecklos. Das Kind hat einen stahlharten Willen. Ich hab sie dann einfach mitgenommen und sie hat Papa geholfen, seine Bücher zu verkaufen. Es war herrlich. Die Kleine ist wie ich, keiner konnte ihr widerstehen, hihi. Am Ende waren alle Bücher weg.

[…].

Herr Behrendt: Du hast auf der Bühne des Börsenvereins im Rahmen der Schreibwerkstatt erklärt, dass Du bereits an Deinem zweiten Buch arbeitest. Worum geht es da? Kommen die Thesen elf bis 20?

Franky: Nein, das wäre mir zu langweilig. Ich schreibe über Führung und Werte und wie Führungskräfte künftig sein sollten. Fakt ist, dass es viel zu viele schlechte Chefs gibt. Das habe ich auf der Bühne in einem flammenden Appell gesagt und es gab Szenenapplaus und Bravo-Rufe. Es mangelt vielfach an echter Wertschätzung für die Mitarbeiter und an Inspiration. Die Führungskräfte, von denen viele den Titel gar nicht verdienen, fordern zwar, aber fördern zu wenig. Und sie treten Talente mit Füßen, die über das verfügen, was essentiell ist und immer wichtiger wird in einer immer schneller werdenden Digital-Welt: Emotionale Intelligenz und Herz.

Ich werde im März auf der Xing-Konferenz New Work Experience in Berlin  als einer der Key-Speaker auftreten. Und ich werde den miesen Chefs die Leviten lesen. Mein Traum ist es, dass sich immer mehr immer weniger bieten lassen und gnadenlos die stärkste Waffe nutzen, die jeder Arbeitnehmer hat: Die Kündigung.

Herr Behrendt: Klare Ansagen, so kennen wir Dich. Wo ist da die Gelassenheit?

Franky: Bei dem Thema bin ich ein Krieger. Ich möchte mithelfen, dass die Arbeitswelt ein besserer Ort wird. Dafür lohnt es sich, zu kämpfen. Ich bekomme so viele Zuschriften von Menschen, die unter ihren Vorgesetzten leiden. Es ist berührend. Manche schreiben mir aus der Burn-out-Klinik, nachdem sie mein Buch gelesen haben. Das Buch ist ein Impuls, leistet sicher einen kleinen Beitrag. Aber wir müssen an die Wurzel des Übels ran und das sind nun mal viele Leader, die den Schaden anrichten. Und gegen die werde ich in den Kampf ziehen. Und wer mich kennt weiß, das wird nicht leise sein, sondern mit Brachialgewalt und lauter Medienpower auf allen Kanälen.

(Auszüge aus einem (Selbst-)Interview auf wirtschaftswoche.de vom 13.11.2016)

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