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Zukunftsfreude
Robert Hofrichter

Robert Hofrichter und das unsichtbare Öko-Universum Pilz

Robert Hofrichter hat es sich zur Aufgabe gemacht das unsichtbare Öko-Universum Pilz, das sich unter unseren Füßen – und nicht nur dort! – erstreckt, sichtbar zu machen.

Mit unglaublichen Phänomenen und verblüffenden Fakten möchte er in seinem Buch die Leserinnen und Leser zum Staunen bringen über den unbekannten Kosmos der Pilze und seine faszinierenden Zusammenhänge.

Wir fragten unseren Autor nach seiner Leidenschaft und bekamen auch hier spannende und erhellende Antworten:

Bei der Lektüre Ihres Buches merkt man, wie sehr Sie die Welt der Pilze fasziniert. Was hat diese Leidenschaft bei Ihnen entzündet und was hält sie am Leben?

Robert Hofrichter Pilzsuche im WaldEs klingt nach einem Klischee, aber es waren tatsächlich meine Eltern, die mich zu den Pilzen brachten. Ich bin schon sehr früh mit ihnen durch die Wälder gewandert auf der Suche nach Schwammerln. Und wenn man in jungen Jahren die Liebe zu etwas entdeckt, bleibt sie einem im besten Fall ein treuer Begleiter auf dem weiteren Lebensweg.

Der kulinarische Aspekt hat zunächst dabei eine wichtige Rolle gespielt, doch auch der Aufenthalt im Wald, das Abenteuer, die Freude am Suchen (und Finden). Später kam die ökologische Einsicht dazu, dass ohne die Pilze die Welt meterdick mit pflanzlichen und tierischen Kadavern bedeckt wäre.

Und noch viel später habe ich all die faszinierenden Aspekte des Netzwerkes entdeckt, in dessen Mitte die Pilze stehen, und da kannte meine Begeisterung keine Grenzen mehr. Darum: Ich könnte mir ein schönes Leben ohne meine Waldspaziergänge auf den Spuren der Pilze mit meiner Frau und unserem Hund gar nicht vorstellen!

Für manche Menschen sind Pilze eher gruselig und furchteinflößend. Müssen wir Angst haben vor Pilzen, die ja, wie sie schreiben, überall sind?

Robert Hofrichter im InstitutDas Wort Angst weckt negative Emotionen, sprechen wir darum lieber von Respekt: Ja, vor Pilzen muss man Respekt haben. Zwar gehört schon eine ordentliche Portion Ignoranz dazu, sich mit einem Pilzgericht tödlich zu vergiften, dass aber Pilze auf andere Art, nämlich als Krankheitserreger, tödlich sein können, ist eine nicht zu leugnende Tatsache. Auch können sie unsere Nutzpflanzen und Bäume befallen und zu schlimmen Schäden führen – denken wir nur an das leider hochaktuelle Ulmensterben durch den Schlauchpilz Ophiostoma.

Bei all dem dürfen wir aber nicht vergessen, was die Pilze an nützlichen, ja lebensnotwendigen Dingen für uns leisten. Auf zahlreiche Vergnügen (Käse, Brot wie wir es bevorzugen, Bier, Wein und unzählige andere) müssten wir ohne Pilze verzichten. Die Freude, die sie uns machen, überwiegt darum für mich persönlich bei weitem.

Gäbe es keine Pilze, dann wäre die Welt eine andere, schreiben Sie? Was meinen Sie damit?

Robert Hofrichter mit Kamera unterwegsDie Evolution des Lebens kam erst richtig in Gang, als die ersten Organismen das Wasser – die Urheimat des Lebens – verlassen haben, um das Land zu besiedeln. Heute geht man davon aus, dass die Vorfahren der Pilze bereits vor mehr als einer Milliarde von Jahren ihren eigenen Entwicklungsweg eingeschlagen haben. Sie haben das Land vor den Pflanzen und Tieren besiedelt.

Die Welt, wie wir sie heute kennen, hat sich bereits gemeinsam mit den Pilzen entwickelt – und sie haben als Destruenten (Zersetzer) eine entscheidende ökologische Rolle übernommen. Es ist somit keinesfalls eine Übertreibung, wenn wir behaupten, dass unsere Welt ohne die Pilze eine andere wäre …

Manche Pilze sind sehr giftig, andere sehr nützlich. Man denke nur an das Penicillin oder an die Bierhefe. Welchen Nutzen können Pilze zukünftig für Menschen bereithalten?

Robert Hofrichter unterwegs mit der KameraDas Hilfsangebot, das die Pilze für uns bereithalten, ist so umfangreich, dass ich es an dieser Stelle nicht vollständig aufzählen könnte. Aber mich persönlich fasziniert die biologische Sanierung vergifteter Böden. Das ist eine relativ neue Anwendung: Mit bestimmten geeigneten Pilzhyphen geimpfte Holzspäne werden auf verseuchte Böden ausgebracht. Die Pilze nehmen dann nach und nach Giftstoffe auf oder bauen sie um. Wir müssen uns nur zurücklehnen und warten.

Pilze bieten auch Chancen für die Aufforstung von Wüsten: Mit Pilzen geimpfte Bäumchen überleben besser und wachsen schneller als Bäume ohne ihre Pilzpartner. Die Mykorrhiza kommt hier voll zum Tragen: Pilze holen Nährstoffe und vor allem Wasser aus dem Boden und liefern sie an ihre pflanzlichen Partner ab. Im Gegenzug erhalten sie Zucker und andere Stoffe.

In Zeiten zunehmender Resistenzen gegen Antibiotika könnte den Pilzen in der weiteren Entwicklung der Medizin eine noch entscheidendere Rolle zufallen. Und so könnten wir noch lange fortfahren…

Gibt es etwas, das wir Menschen für unser Zusammenleben von den Pilzen abschauen können?

Interview mit Robert HofrichterFür mich sind Pilze auf jeden Fall in Sachen Kooperation, Vernetzung, ja, sogar Hilfsbereitschaft  sehr inspirierend. Pilze vernetzen Ökosysteme schon seit Urzeiten. Sie kooperieren mit einzelnen Bäumen und anderen Pflanzen, vernetzen aber zugleich ganze Landstriche – immerhin zählen manche von ihnen zu den größten Lebewesen auf unserem Planeten.

Pilze haben unfassbare Fähigkeiten, aber keinen Verstand. Ich denke mir also, wenn zu der Inspiration durch Pilze noch die menschliche Vernunft hinzukommt, dann müsste es doch möglich sein Menschen und Gesellschaften auf eine Art zu vernetzen, die jedem Vorteile und Entfaltungsmöglichkeiten bringen würde. Das Zauberwort ist Mykorrhiza – Symbiose in verschiedensten Formen. Kooperation.

Ich bin kein naiver Weltverbesserer, aber Bäume gehen in ihrem Zusammenleben mit Pilzen so weit, dass sie diese bis direkt ins Innere ihrer Zellen hineinlassen. So viel Privatsphäre wollen wir wohl nicht opfern, aber zumindest dürfte es klar sein, dass Zukunft auf dieser überbevölkerten Erde nur und ausschließlich noch durch Kooperation, Vernetzung und Symbiosen zu sichern ist. Hier können wir von Pilzen lernen!

 

Gewinnspiel zum Buch: Das geheimnisvolle Leben der Pilze