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Heike Fink: Mein Jahr mit dem Tod

Heike Fink im Interview zu »Mein Jahr mit dem Tod«

Autorenfoto Heike Fink © privatAm Grab eines Freundes ist es da: Das Entsetzen darüber, dass auch das eigene Leben endlich ist! Was ist das, der Tod, dem niemand entgeht? Wird das Unvermeidliche erträglicher, wenn man ihm in die Augen sieht?

Heike Fink probiert es. Ein Jahr lang sucht sie die Nähe von Menschen, die einen besonderen Umgang mit dem Tod pflegen. Sie spricht mit der Leiterin eines Hospizes und einem Friedhofgärtner. Ein Physiker erzählt, wie eine Nahtoderfahrung ihn verändert hat. Die Autorin lernt einen Jäger kennen, einen Tatortreiniger auch und sie begegnet den höchst lebendigen Bewohnern eines Friedhofs in Kairo.

Im Interview erzählt uns Heike Fink mehr zur Entstehung des Buches und wie sie das Jahr mit dem Tod verändert hat:

 

Wie ist die Idee zu „Mein Jahr mit dem Tod“ entstanden? Warum haben Sie sich entschieden, Menschen, in deren Leben das Thema Tod eine zentrale Rolle spielt, zu suchen, zu treffen, ihre Geschichten festzuhalten?

Heike Fink: Im Grunde bin ich jemand, der das Thema meidet wie der Teufel das Weihwasser. Vor acht Jahren habe ich Urlaub gemacht und in Ägypten Menschen erlebt, die auf einem Friedhof auf den Gräbern und in den Mausoleen leben. Kairos Totenstadt ist ein Slum. Durch dieses Erlebnis habe ich weiter recherchiert und mich für Menschen interessiert, die dem Tod auf unterschiedliche Arten näher sind, die einen natürlichen und hautnahen Umgang mit ihm haben, ja, die mehr wissen als ich, die ihm aus dem Weg geht. Anfangs wollte ich ein Buch schreiben über die „Friedhofsmenschen“. Es ist ein Dokumentarfilm daraus geworden, doch das Thema ließ mich nicht mehr los.

Ungefähr vor drei Jahren hat sich mir der Tod plötzlich aus allen Ecken und Enden persönlich aufgedrängt. Verwandte starben, mein bester Freund starb unerwartet und viel zu jung und mit einmal war er um mich, der Tod. Durch Gespräche mit Kollegen und Freunden wurde mir meine eigene Angst vor dem Tod bewusst. Ein Kollege hatte die Idee, dass ich mir ein Jahr Zeit nehmen solle, um jeden Tag eine halbe Stunde über den Tod zu schreiben, wo er mir beispielsweise im Alltag begegnet, ob er mir überhaupt so oft über den Weg läuft, vor allem, ob ich mich tatsächlich ein Jahr lang damit beschäftigen könne. Ich konnte. Der Tod ist omnipräsent in vielfältigster Ausformung. Nach diesem einen Jahr des tagebuchartigen Schreibens hatte ich um die 500 Seiten Material und einen Steinbruch in Sachen Todesbetrachtung aufgeschüttet. Ja, aufgeschüttet und eben nicht abgetragen. Meine Erkenntnis daraus: Nicht meine Gedanken und Erlebnisse sind interessant, sondern die anderer Leute. Anschließend habe ich nochmals ein Jahr damit verbracht, mich mit Menschen zu treffen, die mehr Ahnung haben als ich; Menschen, die ich „Handwerker“ des Todes nannte, Menschen, die beispielsweise beruflich mit ihm zu tun haben oder Menschen, die sterben.

Was hat Sie bei den Begegnungen besonders überrascht?

Heike Fink: Dass der Tod kein Tabuthema ist, wie es immer behauptet wird. Menschen sprechen gerne und häufig über den Tod, nicht unbedingt über ihren eigenen, den meiden sie doch eher. Aber das Thema generell ist reizvoll. Ich vermute, weil es eines der größten Geheimnisse des Lebens ist. Ich konnte feststellen, über den Tod wird mindestens so oft gesprochen wie über Sex.Heike Fink: Mein Jahr mit dem Tod

Welchen Leser, welche Leserin hatten Sie beim Schreiben vor Augen? Was würden Sie ihm oder ihr für die Auseinandersetzung mit dem „großen Unbekannten“ gerne raten wollen?

Heike Fink: Ich hatte nur die Personen vor Augen, über die ich geschrieben habe und mit denen ich Zeit verbringen durfte. Ratschläge habe ich keine. Der Tod ist was viel zu Individuelles und Intimes.

Was hat sich für Sie persönlich geändert in Ihrer Einstellung zum Tod?

Heike Fink: Zu Beginn hatte ich Angst vor ihm. Jetzt kann ich ihn überhaupt nicht mehr leiden. Der Tod ist eine Zumutung und macht mich stinksauer. Das hat sein Gutes: Ich wehre mich, indem ich  mich dem Schönen und Freudvollen zuwende.

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