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Der Blog des Gütersloher Verlagshauses

Über freundliche Haie und bekiffte Delphine …

Das Meer ist eine unerschöpfliche Quelle von Geschichten! Eine spannender als die andere. In seinem Buch erzählt Robert Hofrichter die aufregendsten: Von seltsamen Lebensentwürfen und sonderbaren Sex-Praktiken in einem verbeulten Ozean berichtet er und stellt freundliche Haie und bekiffte Delphine vor. Wir erfahren mehr über Monsterwellen und über die geheimnisvollen Ungeheuer der Tiefe, aber auch über ein bezauberndes Netzwerk des Lebens im nassen Kosmos, der den Erdball umgibt. In unserem Interview mit Robert Hofrichter klären sich einige Fragen zu seiner Passion:

Gütersloher Verlagshaus: Was fasziniert Sie an der Unterwasserwelt?

Robert HofrichterRobert Hofrichter: Sie ist so andersartig als die Welt, in der wir uns normalerweise bewegen. Faszinierend und zugleich unheimlich, niedlich und manchmal auch brutal, poetisch und dann wieder von zerstörender Kraft. Die Vielfalt und Schönheit eines Korallenriffs lässt sich mit nichts auf unserer Erde vergleichen. Auf wenigen Quadratmetern finden sich hier mehr Farben und Formen als wir erfassen können. Als Biologe ist mir dabei bewusst, dass ich mich unter Wasser sozusagen am Ursprungsort des Lebens befinde: Hier haben sich vor etwa 500 Millionen Jahren jene Baupläne von Tierstämmen entwickelt, die bis heute nicht nur das Meer dominieren, sondern von dort aus auch das Festland erobert haben. Mit der Zeit wurde mir auch die globale Bedeutung des Meeres für unsere Erde immer klarer, etwas, was viele Menschen gern übersehen. Egal, wie weit entfernt vom Ozean wir leben: Unsere Existenz hängt von den Weltmeeren ab.

Gütersloher Verlagshaus: Gibt es eine besonders spannende oder ungewöhnliche Erfahrung, die Sie unter Wasser gemacht haben?

Robert Hofrichter: Spannende Erlebnisse hatte ich viele, weil ich seit nahezu 45 Jahren tauche und seit 50 Jahren im Meer schnorchle. Zu den aufregendsten Erlebnissen zählt eine Begebenheit auf Galápagos vor etwa fünf Jahren: Ich bin kein allzu guter Partner beim Tauchen, weil ich die Unterwasserwelt in der Regel durch den Sucher meiner Kamera sehe und zu wenig auf meine Begleiter achte. Und so verlor ich bei einem Tauchgang in einer Region, in der es enorme Strömungen und viele Haie gibt, meine Gruppe. Die Strömung war hier so stark, dass ich einfach mitgerissen wurde. Also treibe ich allein rasch dahin, als sich mir ein etwa 3,5 Meter langer Galapagoshai anschließt und bald anfängt, mich zu umkreisen. So driften wir etwa einen Kilometer gemeinsam weiter, wobei ich mich senkrecht ausrichte und immer so drehe, dass ich meine riesige Kamera auf den Hai richte und wir uns gegenseitig im Auge behalten. Wir konnten die Situation wohl beide nicht so richtig einschätzen: Passt das sonderbare Wesen mit dem Ding vor dem Gesicht ins Beuteschema oder nicht. Nun, der Hai entschloss sich, mich nicht zu probieren und drehte schließlich ab. Mich umgaben nur noch hunderte harmlose kleinere Seidenhaie, die ich in diesem Moment sehr, sehr gern hatte …

Gütersloher Verlagshaus: Welche Meeresbewohner sind Ihre Lieblingstiere und warum?

Robert Hofrichter: Das kann ich schwer beantworten, weil ich kleine, bunte Rifffische ebenso liebe wie Wale und Delfine, oder etwa den bis zu 14 Meter langen Walhai. Auch Meeresschildkröten finde ich faszinierend, oder Robbenweibchen und ihre Jungen, die so verspielt und niedlich sind. Wenn allerdings der Bulle naht, sollte man sich respektvoll zurückziehen. Naja – und sogar Nacktschnecken begeistern mich, weil sie unglaublich bunt und schön sein können, wie übrigens auch Quallen, verschiedene Würmer, Seesterne oder Seegurken …

Gütersloher Verlagshaus: Was würden Sie den Meeren für die nächsten 10 Jahre am meisten wünschen?

Robert Hofrichter: Dass sich der ökologische Niedergang, der sich mit einer rasanten Beschleunigung immer stärker bemerkbar macht, zumindest etwas verlangsamt. Damit könnten wir etwas Zeit gewinnen und technologische Fortschritte und Entwicklungen zum Schutz der Ozeane nutzen. Wir müssen weg vom Plastik hin zu biologisch abbaubaren Materialien; wir müssen Substanzen, die ganze Nahrungsnetze der Meere vergiften, reduzieren; der Flächenverbrauchs an den Meeresküsten muss begrenzt werden, damit einige natürliche Lebensräume überleben; wir brauchen mehr Meeresschutzgebiete, in denen sich die Meeresfauna erholen und vermehren kann …

Ich weiß, das sind fromme Wünsche. Aber wenn wir wollen, dann geht es, wie einige Schutzgebiete im Mittelmeer es zeigen!

 

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