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Club of Rome

Wir sind dran. Club of Rome: Der große Bericht

»Wir verfügen über genügend Wissen, die erforderlichen Veränderungen für den Erhalt der Welt zu schaffen.« (Ernst Ulrich von Weizsäcker)

In seinem ersten, weltweit beachteten Bericht zur Lage der Menschheit (»Die Grenzen des Wachstums«, 1972) prognostizierte der Club of Rome den ultimativen Kollaps des Weltsystems in den nächsten 50 Jahren. Seitdem hat sich viel verändert und wir verfügen über genügend neues Wissen für die erforderlichen Veränderungen zum Erhalt unserer Welt. Sehr wohl sind laufende Trends aufzuhalten und sind wir in der Lage, bestimmte Philosophien und Überzeugungen ad acta zu legen. Somit können wir uns auf eine aufregende Reise in die Zukunft machen. Der hier vorliegende neue Bericht des Club of Rome formuliert die Agenda für alle gesellschaftlich relevanten und möglichen Schritte der nächsten Jahre: faktenorientiert und debattenstark.

Club of Rome Weizsäcker Wijkman

Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker (links im Bild), geb. 1939, ist ein deutscher Naturwissenschaftler und Politiker. 1998 bis 2005 war er Mitglied des Deutschen Bundestages. Seit 2012 ist er Ko-Präsident des Club of Rome.

Dr. Anders Wijkman(rechts im Bild), geb. 1944, ist ebenfalls Ko-Präsident des Club of Rome sowie Mitglied der Schwedischen Königlichen Akademie der Wissenschaften, er war zehn Jahre lang Mitglied des Europäischen Parlaments.

 

Vorwort des Vorstands:

Seit seiner Gründung im Jahr 1968 hat der Club of Rome mehr als 40 Berichte angenommen. Der erste war »Die Grenzen des Wachstums« von 1972. Er katapultierte den Club ins Scheinwerferlicht der Weltöffentlichkeit. Das Buch war ein Schock. Niemand hatte an die Langfristfolgen des Dauerwachstums gedacht. Heute spricht man vom ökologischen Fußabdruck der Menschheit. Der Gründer und erste Präsident des Clubs, Aurelio Peccei, sah es als seine Verantwortung an, die Kette der auf die Welt zukommenden Probleme zu untersuchen, die er als das Menschheits-Dilemma (predicament of mankind) bezeichnete. Er erschrak über die Erkenntnis des »Grenzen«-Berichts, dass all die Probleme mit dem Menschheitswunsch endlosen Wachstums auf einem endlichen Planeten zusammenhingen. Das war ja die Botschaft des jungen Forscherteams am Massachusetts Institute of Technology: Wenn das Wachstum im gleichen Tempo immer weiterginge, würden schwindende Rohstoffe und massive Verschmutzung zu einem Kollaps der globalen Systeme führen.

Gewiss sind heutige Computermodelle viel raffinierter als das damals benutzte World3-Modell. Manche ökologisch günstige Wachstumsformen in den letzten
50 Jahren hatte man damals nicht erwartet. Gleichwohl bleibt die Grundaussage von 1972 richtig. Und Gefahren,
die man damals kaum auf dem Schirm hatte, sind heute brennend aktuell, so die Klimaänderung, die Knappheit
an fruchtbaren Böden und das Artensterben. Ferner leben rund vier Milliarden Menschen in unterschiedlichen Notlagen, einschließlich Kriegsbedingungen, Dürre,

Fluten, Hunger und nackter Armut. Jährlich wollen geschätzte 50 Millionen fliehen – aber wohin? 2017 waren schon 60 Millionen als Flüchtlinge unterwegs.

Zugleich hat sich in der modernen Welt ein solcher Reichtum eingestellt, dass man unter Nutzung von Wissenschaft und Technik all die Veränderungen durchführen können sollte, von denen die Autoren der Grenzen des Wachstums die Schaffung einer auch ökologisch nachhaltigen Welt erwarteten.

Der Vorstand (Executive Committee) des Club of Rome erinnert dankbar an das Verdienst der Grenzen des Wachstums sowie der anderen wertvollen Berichte an den Club of Rome. Wir erinnern auch an den mutigen Schritt des Nachfolgers von Aurelio Peccei, Alexander King, der mit seinem damaligen Generalsekretär Bertrand Schneider Die erste Globale Revolution schrieb. Das war kein ein Bericht an den Club of Rome, sondern ein Bericht des »Rates« (Council) des Clubs, so der Name des damaligen Vorstands. King und Schneider erkannten, dass das Ende des Kalten Krieges riesige neue Chancen für eine friedliche und prosperierende Welt eröffnete. Dieses optimistische Buch brachte den Club wieder ins Scheinwerferlicht, wenn auch nicht ganz so wie der Grenzen- Bericht.

Heute ist die Welt wieder in einer kritischen Lage. Wir brauchen einen echten Neuanfang. Aber diesmal halten wir es für notwendig, sich auch mit den philosophischen Wurzeln der schlimmen Weltlage auseinanderzusetzen. Wir müssen die Legitimität des materialistischen Egoismus infrage stellen, welcher ja als wirksamster Antrieb unserer Welt dargestellt wird. Wir sind dankbar für Papst Franziskus’ Enzyklika Laudato Sí, in der er eine tiefer liegende Krise der Werte anspricht – wie es der Club of Rome seit langem tut. Die Zeit ist reif für eine neue Aufklärung, finden wir, oder für andere Wege, die heutigen kurzfristigen Denkgewohnheiten und Handlungen abzulösen. Wir sehen mit Freude, wie die Vereinten Nationen ihre Agenda 2030 und die 17 Entwicklungsziele der Nachhaltigkeit für die kommenden 15 Jahre verabschiedet haben. Jedoch können wir die Sorge nicht von der Hand weisen, dass die Welt in 15 Jahren ökologisch noch viel schlechter aussieht, wenn man die zerstörerische Wirkung eines rein materialistischen Wachstums nicht bändigt.

Wir sind dran. Club of Rome: Der große BerichtWir begrüßen daher ausdrücklich die Initiative unserer derzeitigen Ko-Präsidenten, einen neuen und ehrgeizigen Bericht auf den Weg zu bringen, der das Menschheits-Dilemma aus der heutigen Sicht angeht.

Im englischen Original heißt der Buchtitel »Come On!«, ein bewusst zweideutiger Ausdruck. Er kann einmal heißen »Mach mir doch nichts vor«. Das ist die Bedeutung der Teile 1 und 2 des Buches: Mach uns doch nicht vor, die heutigen Trends seien nachhaltig! Und: Komm mir doch nicht mit verstaubten Philosophien. Die andere Bedeutung heißt »Komm mit!« Das ist Teil 3: Komm mit auf eine tolle gemeinsame Reise. Die Architektur des Buches will ausdrücklich beide Bedeutungen. Der deutsche Titel »Wir sind dran« ist ebenfalls schillernd. Er ist näher an der Bedeutung »Komm mit!«.

Juni 2017

Der Vorstand des Club of Rome Susana Chacón, Enrico Giovannini, Alexander Likhotal, Hunter L. Lovins, Graeme Maxton, Sheila Murray, Roberto Peccei, Jorgen Randers, Reto Ringger, Joan Rosàs Xicota, Ernst von Weizsäcker, Anders Wijkman und Ricardo Díez-Hochleitner (Ehrenmitglied)

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Kommentare

  • Dr. Otto Ulrich 26. November 2017

    Danke für die Chance, hier einen kleinen Kommentar zum neuen Buch des CoR abzugeben – den ich auch Ernst von Weizsäcker zu leiten werde: Wir kennen uns seit etwa 30 Jahren, sind in fruchtbarem Mailaustausch, er hat mir die Gelegenheit geöffnet, selbst einmal bei einem Meeting des CoR in Hannover dabei zu sein.
    Also, folgendes Zitat aus dem Vorwort des Vorstandes des CoR fällt auf, weil es nicht geerdet ist, also in der Luft hängt, es innerhalb des Buches „Wir sind da.“ nicht vertieft, nur behauptet wird!

    „Die Zeit ist reif für eine neue Aufklärung, finden wir, oder für andere Wege, die heutigen kurzfristigen Denkgewohnheiten und Handlungen abzulösen.“

    Die pädogogische Umsetzung dieses Anspruches fehlt:
    Unser heutiges Problem mit der Natur, der Atmosphäre liegt tief begründet darin, dass –
    beginnend mit Rene Descartes etc. – ein einseitiges Naturverständnis gepflegt und technologisch umgesetzt wird. Der CoR versäumt es, seine Ideen in didaktisch ausbaubaren Toren zu präsentieren, die anschlußfähig sind zu Naturerkenntnissen eines Alexander von Humboldt und später eines J.W.v. Goethe: Es gilt seitdem, weil uneingelöst, „Prozesse des Lebendigen“ zum Mittelpunkt einer dann erst ganzheitlichen „Naturpädagogik“ zu machen.

    Zweifelsohne, es liegen historische Versäuminisse vor. Das im Jahrhundertbuch
    „Kosmos“ von Alexander von Humboldt (!) vorgelegte ganzheitliche Naturverständnis wäre angemessen, es auf eine heute zumutbare Bildungsidee weiter zu entwickeln: Wir brauchen eine fundamental neue Bildungsvision, um endlich ein Naturbewusstsein, sicherlich auch aufbauend auf den Ideen des CoR, in die Köpfe der nächsten Generation zu bringen.

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